Übergewicht beim Hund

Genau wie bei uns, ist mittlerweile auch bei unseren Fellfreunden das Thema Übergewicht zu einer echten Zivilisationserkrankung geworden. Laut Expertenschätzung ist fast jeder zweite ausgewachsene Hund zu dick oder leidet sogar an Fettleibigkeit (medizinisch Adipositas). Eine wahrhaft schreckliche Statistik.

Was allerdings wohl viel schlimmer ist… viele Hundebesitzer nehmen das Übergewicht ihres Hundes gar nicht wahr oder „verdrängen“ es, indem sie es als „kleinen Schönheitsfehler“ abtun oder dem Hund die Schuld als „kleiner Nimmersatt“ geben. Was die wenigsten Hundebesitzer damit allerdings verdrängen ist die Tatsache, dass sie ihrem Hund mehr schaden als ihm zu helfen. So wie bei uns Menschen, haben die Folgen von Übergewicht weitreichende Auswirkungen auf die Gesundheit.

Wenn man Tierbesitzer befragen würde, welches Problem ein übergewichtigen Tier haben könnte, beantworten die meisten die Frage zuerst mit dem erhöhten und frühzeitigen Verschleiss der Gelenke (Athrose) bzw. des Skeletts. Auf Grund der Bewegungseinschränkung können aber noch andere Probleme wie Herz-Kreislaufprobleme, Entzündungen, Diabetes mellitus, erhöhtes Infektrisiko, Nieren- oder Leberprobleme dazukommen – im Grunde genau wie bei einem übergewichtigem Mensch.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass Übergewicht auf Grund der Probleme, die Lebensdauer eines Hundes um bis zu 2 Jahre verkürzt.

Übergewicht & Fettleibigkeit (Adipositas)

Ab wann gilt denn aber jetzt ein Hund als übergewichtig und ist mein Hunde betroffen? Grob gesagt, zählt ein Hund schon mit 10% über seinem Idealgewicht als übergewichtig. Bei einige Experten zählt ein Hunde mit 10% über Idealgewicht in die Gruppe der „beginnenden Adipositas“ und ab 15% zu viel auf den Rippen, fällt der Hund schon in die Gruppe der Fettleibigen. Andere sprechen erst bei 20% von Übergewicht und Fettleibigkeit.

Medizinisch gesehen, ist Übergewicht eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung und sollte, aus Liebe zum Tier, nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Die daraus resultierende Fettleibigkeit (Adipositas) ist nicht nur eine eigenständige Krankheit, sondern kann auch ein hoher Risikofaktor für zahlreiche Folgeerkrankungen sein.

Wie schnell da z. B. ein kleiner Hund zu den Übergewichtigen zählt, kann da für den ein oder anderen schon erschreckend sein. Denn ein kleiner Hund mit 10kg Idealgewicht hat schon mit 1kg zu viel, ein krankmachendes Übergewicht! Ein großer Hund mit 40kg Idealgewicht hat mit 1kg mehr auf den Rippen noch keine einschneidenden Probleme.

 

Übergewicht beim Hund erkennen

Bei uns Menschen bezeichnen wir jedes Gramm zu viel auf den Rippen als „Hüftgold“ und es fällt uns sofort auf. Bei unseren Fellfreunden fällt uns die Erkenntnis in der Regel manchmal schwieriger, vor allem bei langhaarigen Rassen mit viel Fell.

Nutzen Sie den Blickwinkel von oben auf den Rücken Ihres Hundes. Ist hier eine Taille zu erkennen? Auf der Grafik wäre das die grüne Körperform.

Sie können außerdem den Bauch/Rumpf auf zwei verschiedene Merkmale abchecken. Zum einen sollte der Bauch nicht nach unten hängen und Sie sollten die Rippen am Rumpf ohne großen Druck ertasten können.
Weiterhin kann Ihnen das Gewicht des Hundes Aufschluss über ein eventuelles Übergewicht verraten. Eine Tabelle mit den gängigsten Hunderassen finden Sie z. B. in dieser Tabelle. Eine Abweichung von 5-10% ist eine durchaus realistische Toleranzgrenze.
ACHTUNG: Versteifen Sie sich jetzt bitte nicht auf diese vorgegebenen Werte, denn nicht nur die unterschiedliche Muskelmasse eines Hundes, sondern auch die angegebene Größe und deren Über- oder Unterschreitung ihres Hundes kann die Werte verändern. So zählt ein sportlich durchtrainierter Hund mit mehr Muskelmasse als auch ein „Größer/Höher als der Standard“ Hund nicht gleich als Übergewichtig.

Wichtig ist erstmal, dass der Hundebesitzer das Übergewicht beim Vierbeiner selbst erkennt. Hat man diese Erkenntnis errungen, sollten notwenige Maßnahmen getroffen werden um dem Hund sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu „erleichtern“. Dazu zählen unter anderem

  • Futterumstellung (weniger Kohlenhydrate)
  • Änderung der Fütterungsgewohnheiten (Leckerlis)
  • mehr Bewegung (dem Gewicht angemessen)

 

Futterumstellung bei Übergewicht

Füttern Sie Ihrem Hund Trockenfutter? Dann sollten Sie auf jeden Fall auf ein hochwertiges und gesundes Nassfutter umstellen. Beim Trockenfutter ist es relativ egal ob es sich dabei um getreidefreies, kaltgepresstes, mit hohem Fleischanteil, den Zusatz „light“ trägt, spezielles Diätfutter vom Tierarzt oder vom Discounter ist… die Kohlenhydrate sind enorm höher als beim Nassfutter.

Testen Sie mal ihr Futter im Kohlenhydratrechner Aus eigene Erfahrungen kann ich nur dazu raten, bei einem Hund mit Übergewicht nicht nur die Energie des Futters (Kalorien) zu senken, sondern im speziellen auf den Kohlenhydratanteil¹ zu achten.

Der Leitnährstoff Nr. 1 für Tiere, übrigens auch für uns Menschen, ist Eiweiß (Protein). Dieser hilft in der Regel beim langfristigen Abnehmen. Übrigens lassen sich tierische Eiweiße (Fleisch) vom Verdauungstrakt der Hunde natürlich viel, viel besser verdauen und verwerten als pflanzliche Proteine².

ACHTUNG: Nur allein an Hand vom Rohproteingehalt auf dem Etikett lässt sich nicht erkennen, von welcher Qualität die enthaltenden Einweiße sind. Im Grunde können die Eiweissverbindungen sowohl pflanzlich als auch tierischen Ursprungs sein. Daher können auch Federn, Klauen usw. als Eiweissträger in Frage kommen.

Füttern Sie bereits Nassfutter? Dann ist das schon mal eine gute Voraussetzung. Jetzt sollten Sie sich nur noch die Zusammensetzung Ihres Nassfutter genauer ansehen. Zusätze die auf -ose enden, sind oftmals Zucker und Zuckerersatzstoffe und haben mal so rein gar nichts im Hundefutter zu suchen.

Zudem sollte der Fleischanteil hoch und die Anteile von Getreide/Kartoffel/Reis… gering sein. Wenn das Futter aus wenig Fleisch aber dafür viel Kohlenhydraten besteht, kann das Tier diese in der Masse nicht abbauen und der Hund wird zwangsläufig dick.

 

Fütterungsgewohnheiten ändern

Vielleicht erkennen Sie sich ja wieder. 🙂

„Immer wenn wir essen schaut mich mein Hund mit traurigen, großen Augen an.
Ich bringe es dann nicht übers Herz und mache ihm auch ein Brot mit Leberwurst“.

„Nach dem allein bleiben, bekommt er ein Leckerli“.

„Ich habe immer Leckerlis auf unseren Spaziergängen dabei“

„Der guckt so niedlich, ich konnte nicht anders“

„Nach einer Übung bekommt er ein Leckerli“.

Wenn Sie sich bei einem der Zitate wiedererkannt haben und wohlmöglich schon einen übergewichtigen Hund zu hause haben, sollten Sie die Verteilung der Belohnungen in Form von Leckerlis, dem Tier zu Liebe, ändern.

Als erstes ist menschliches Essen und Leckereien nichts für unsere Fellnasen, weder für die normalgewichtigen und schon gar nicht für die übergewichtigen. Zum zweiten ist Betteln am Tisch reine Erziehungssache und sollte mit einer guten Hundeerziehung von vorn herein ein „no go“ sein.

Besonders ständige Belohnungen mit handelsüblichen Leckerlis und Hundesnacks freut eher das Fettpolster des Hundes als das Tier selbst. Warum? Die meisten Leckerlis enthalten Zucker oder Zuckerersatzstoffe und/oder Getreide, die einfach nur dick machen.

 

Belohnungsalternativen

Jetzt stellt sich die Frage: Wie kann ich meinen Hund richtig belohnen? Es ist tatsächlich möglich den Hund ganz ohne Leckerlis zu belohnen und bei einem übergewichtigem Hund ist das sogar fast notwenig. Belohnen Sie Ihren Hund doch mal mit einem Spiel oder einer Kuschelrunde anstelle von Leckerlis.

Allerdings wird der Moment kommen, an dem auch der stärkste Hundehalter dem herzzerreißenden Blick seines Tieres nicht widerstehen kann. TIPP: Achten Sie darauf, dass die Leckerlis keinen Zucker oder Zuckerersatzstoffe und/oder Getreide enthalten und ziehen Sie die Leckerlis von der täglichen Futterration ab.

Empfehlen kann ich natürliche oder gefriergetrocknete Leckerlis oder Hundesnacks.

 

Angepasste Bewegung

Leidet der Hund an Übergewicht, wird er nicht von jetzt auf gleich zum Spitzensportler. Wie bei übergewichtigen Menschen, fällt es auch dem dicken Hund schwer sich mehr als nötig zu bewegen. Es muss aber nicht immer nur die fehlende Lust sein, sondern auch Schmerzen können eine Ursache sein.

Darum beginnen Sie das Training schonend und vermeiden Sie wilde Ballspiele oder Sportübungen ohne den Hund zu überfordern. So verliert der Hund auch nicht so schnell die Lust an neuen Übungen. Ideal für übergewichtige Hunde ist schwimmen, das schont die Gelenke und ist mal was anderes als laufen.

 

Wie entsteht Übergewicht?

Viele meinen, dass die Gene für Übergewicht verantwortlich sind, leider ist das in den meisten Fällen nicht der Fall. Bei Übergewicht ist es eine Kombination aus falscher Ernährung und/oder zu wenig Bewegung. Augenscheinlich scheinen manche Hunderassen anfälliger für Übergewicht sein als andere.

Genetisch bedingt haben die Rassen wie Labrador Retriever, Golden Retriever, Cocker Spaniel, Collie, Dackel oder Beagle einen niedrigen Energiebedarf. Einige Vertreter dieser Rassen mutieren zu wahren Staubsaugern die selten den Appetit verlieren. Aber gerade dann sollte der Hundebesitzer auf eine nährstoffgerechte Ernährung achten.

 

Übergewicht im Alter

Bei der Entstehung von Übergewicht spielen neben den Genen allerdings auch das Alter eine entscheidende Rolle. Der Stoffwechsel bei älteren Hunden verändert sich und die Ernährung sollte diesem angepasst werden. Senioren bewegen sich viel weniger als z. B. ein Junghund und brauchen somit viel weniger Energie.

Welpen, die in ihrer Wachstumsphase zu viel Energie (oftmals bei Trockenfutter der Fall) aufnehmen, wachsen nicht nur schneller, sondern neigen als erwachsener Hund eher zu Übergewicht und Gelenkproblemen. Hinweis: Die Größe/Höhe eines Hundes ist genetisch festgelegt, lediglich der Zeitraum der Endhöhe der kann durch Futter beeinflusst werden.

 

Übergewicht nach Kastration

Gerade nach einer Kastration neigen viele Hunde zu Übergewicht. Aber warum ist das so? Die Antwort liegt nahe: Der komplette Hormonhaushalt wird durcheinander gewürfelt. Die Tiere werden in der Regel ruhiger und verbrauchen somit weniger Energie, gleichzeitig überfällt sie aber die ein oder andere Fressattacke. Dieser Kreislauf kann schnell zum Problem Namens „Übergewicht“ werden und sollte im Blick behalten werden. Ratsam ist es auch ggf. die bisherige Ernährung zu überprüfen.

 

Hormone und Übergewicht?

Hormone beeinflussen den Energiehaushalt des Hundes und können diverse hormonelle Erkrankungen begünstigen. In den meisten Fällen führt gerade eine Kastration und die damit verbundene Hormonstörung zu Übergewicht. Aber auch andere hormonelle Erkrankungen können das Gewicht beeinflussen. Wie beispielsweise:

  • Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose)
  • Fehlfunktionen der Geschlechtsdrüsen
  • Überfunktion der Nebenniere (Morbus Cushing)
  • Inkontinenz (oft bei kastrierten Hündinnen)

Fettleibige Hunde leiden aber auch an

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Gelenkverschleiß (Arthrose bzw. Osteoarthritis)
  • Atemwegserkrankungen
  • Diabetes
  • Verstopfung
  • Hauterkrankungen

Handeln Sie so schnell wie möglich, um diesen (Folge)Erkrankungen entgegen zu wirken. Nehmen Sie das Übergewicht Ihres Hundes nicht auf die leichte Schulter und gehen Sie das vorhandene Gewichtsproblem an. Maßvolle Bewegung und eine artgerechte und natürliche Ernährung gehören dazu.

 

Übergewicht reduzieren

Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist ein entscheidender Punkt in der Behandlung von Übergewicht. Jetzt wird, wie bei uns Menschen, so richtig die Werbetrommel der Futtermittelhersteller gedreht. Spezielles Diätfutter für Ihren Hunde und am Besten noch nach Rasse oder Körpergewicht, demnächst auch nach Fellfarbe (Ironie aus).

Um dem ganzen dann noch Nachdruck zu verleihen, wird das „ganz spezielle Diätfutter“ über den Tierarzt vertrieben, den die Futterhersteller bereits im Studium umworben und gesponsert haben. Hält denn das Futter mit den tollen Namen beim Tierarzt sein Versprechen oder ist es in den meisten Fällen nur Augenwischerei oder gar Geldmacherei? Für den übergewichtigen Hund wird oft Diät Trockenfutter mit wenig Kalorien empfohlen. Dabei handelt es sich in vielen Fällen um Verschreibungsdiäten die nur beim Tierarzt erhältlich sind… Warum nur? (Buchtipp: Katzen würden Mäuse kaufen).

Aber ist das der richtige Weg zum gesunden Hund und vor allem wirklich artgerecht? Dann lassen Sie uns doch mal kritisch auf die Zutatenliste der vermeintlichen Diätfutter schauen und/oder den Tierarzt fragen. In den meisten Fällen werden Sie erstaunt sein was da ganz oben steht… denn besonders beim Trockenfutter führen Getreide, Maiskleber oder irgendwelche Pseudo-Hydrolysate und nicht Fleisch die Liste an. Der Hund soll damit abnehmen? Schauen Sie sich daher die Deklaration ganz genau an, denn wie hieß es schon Früher? „Augen auf beim Eierkauf“.

Heutzutage gibt es nicht nur Diätfutter für übergewichtige Hunde, sondern gleich das volle Programm. Hier mal ein paar Beispiele:

  • Diätfutter bei Lebererkrankungen
  • Diätfutter bei Kristalle im Urin
  • Diätfutter bei Diabetes
  • Diätfutter bei Bauchspeicheldrüse
  • Diätfutter bei Niereninsuffizienz
  • Diätfutter bei Durchfall
  • Diätfutter bei Pankreatitis
  • Diätfutter bei Blasensteinen
  • uvm.

Diese Liste lässt sich noch beliebig erweitern. Allerdings würden in der Regel viele dieser Krankheiten erst gar nicht entstehen und diese ganzen Diätfutter hätten überhaupt keine Existenzberechtigung, wenn der Hund stets gesund und artgerecht ernährt wird.

 

Futter beim übergewichtigen Hund

Natürlich sollte die Ernährung eines übergewichtigen Hundes umgestellt werden, allerdings nicht ohne auf einiges zu achten. FDH oder eine Nulldiät wäre jetzt nicht gerade die richtige Wahl. Viel wichtiger ist es den Hund mit allen benötigten Nähr- und Mineralstoffen, sowie Vitaminen auf natürliche Art und Weise zu versorgen. Die tatsächliche Energiezufuhr sollte dabei unbedingt im Auge behalten werden.

Für einen guten Überblick und Verlauf der Diät ist sicherlich ein Ernährungsplan sehr hilfreich. Für eine gesunde Gewichtsreduzierung eignet sich Nassfutter mit natürlichen Zutaten, eine BARF Diät oder selber kochen.

 

Fazit

Kein Hund muss zwangsläufig auf FDH Diät gesetzt werden und kann durchaus ohne Hunger abnehmen. Wichtig ist, was genau und wieviel der übergewichtige Hund täglich bekommt und dieses gut im Auge zu behalten. Meine Empfehlung ist hier ganz klar die Umstellung auf Nassfutter von Anifit!

Allerdings wird allein die Nahrungsumstellung in der Regel nicht den gewünschten Erfolg bringen. Auch die ausreichende Bewegung, also das angemessene Training, sollte zusätzliche Pfunde purzeln lassen. Wenn sie dann noch an die Reduzierung der Leckerlis denken, sollten sich sicherlich schon bald die ersten Erfolge einstellen.

¹ – https://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2014-06/gesunde-ernaehrung-kalorien-zaehlen
² – https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15836464