Magendrehung beim Hund

Nicht ohne Grund fürchten sich viele Hundebesitzer vor einer Magendrehung bei Ihrem Liebling. Denn eine Magendrehung gehört mit Sicherheit zu den Top 3 der am meist gefürchtetsten Erkrankungen – gleich nach Krebs- und Herzerkrankungen. Das ist aber auch kein Wunder, denn bei einer Magendrehung zählt jede Minute. Eine nicht erkannte oder gar zu spät behandelte Magendrehung kann dem Liebling das Leben kosten. Daher ist die Angst groß und auch nicht ganz unbegründet. In der Regel sind besonders große Hunderassen mit tiefliegendem Brustkorb betroffen. Doch soweit muss es erst gar nicht kommen. Im folgenden Artikel erfahren Sie mehr darüber wie eine Magendrehung entstehen kann und wie man sie mit hilfreichen Tipps vorbeugen kann.

Was ist eine Magendrehung?

Bei einer Magendrehung (Torsio ventriculi) dreht sich der Magen beim Hund um die Längsachse. Durch die Drehung des Magens wird der Mageneingang und -ausgang abgeschnürt und die entstehenden Gase können nicht mehr entweichen. Aus diesem Grund bläht sich der Magen immer mehr auf und wird stark gedehnt und hart.

Weitaus lebensbedrohlicher bei einer Magendrehung ist, dass auch größere Blutgefäße abgeschnürt werden. Dieses führt dann zu einer Sauerstoff Unterversorgung für Magen und anderen Organen. Wird nicht sofort gehandelt, stirbt das betroffene Gewebe im schlimmsten Fall ab und kann in den meisten Fällen den Tod des Hundes bedeuten.

Häufige Ursachen einer Magendrehung

Eine Magendrehung kann unterschiedliche Auslöser haben. Eine Risiko wurde bereits in diversen Studien¹ festgestellt: die täglich einmalige Fütterung mit Trockenfutter kann das Risiko einer Magendrehung um ein Vielfaches erhöhen.

Des weiteren weisen neuste wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, das auch die Zusammensetzung des Hundefutters Einfluss auf eine Magendrehung haben kann. So kann z. B. zu viel Kalzium die Verdauung verlangsamen und das Futter verbleibt zu lange im Magen.

Ein weiterer Faktor, wie schon im Eingangstext erwähnt, ist die Anatomie des Hundes bzw. der Rasse. Insbesondere große Rassen wie Weimaraner, Dobermann, Irish & Gordon Setter oder die Deutsche Dogge sind auf Grund ihrer Körperform besonders anfällig für Magendrehungen.

Der geringe Bauchumfang und die tiefe Brust bietet dem Magen im Bauchraum eine größere Beweglichkeit. Leider bedeutet das aber auch, dass das Risiko einer Verlagerung der Organe erhöht ist und damit eine Magendrehung eher passieren kann.

Liegt es vielleicht daran, das größere Hunde vermehrt an einer Magendrehung erkranken, weil sie in der Regel mit Trockenfutter ernährt werden? Auch eine große Rassen kann mit gesundem Nassfutter, kombiniert mit Flocken, Kartoffeln oder Reis, gefüttert werden.

Aber auch bei kleinen Rassen kann es durchaus zu einer Magendrehung kommen. Denn es liegt nicht immer an der Anatomie sondern auch am Futter, Futtermenge, Stress oder Fressverhalten (Schlinger). So kann ich mit artgerechtem Futter, mehreren Portionen am Tag, einem stressfreien Fressplatz oder einem Anti-Schling-Napf die erste Abhilfe schaffen.

Der Hund sollte, wenn möglich, 1-3 Portionen über den Tag verteilt bekommen und direkt nach dem Fressen etwas ruhen und auf ausgiebiges Herumtollen, Spielen sowie enorme Bewegung sollte verzichtet werden.

Es kann aber auch in der Ruhezeit zu einer Magendrehung kommen und zwar dann, wenn das verwendete Trockenfutter im Magen sehr stark aufquillt.

 

Was kann ein Magendrehung begünstigen?

  • Futterart – ein hoher Anteil von Kohlenhydraten insbesondere im Trockenfutter
  • Einseitige Ernährung– das Risiko einer Magendrehung verdreifacht sich
  • Zu stark zerkleinertes Futter – gewolftes/breiiges Fleisch
  • Futtermenge – große Futterportionen verdoppeln das Risiko der Magendrehung
  • Futterqualität – eine große Anzahl von Gas produzierenden Bakterien im Futter und wirken sich ungünstig aus
  • Fressverhalten – zu schnelle Futteraufnahme / Schlingen
  • Ernährungszustand – Untergewicht erhöht das Risiko einer Magendrehung
  • Rasse – Riesenrassen haben ein 3-faches höheres Risiko, Rassehunde ein 2,5-faches
  • Körpergröße – Hunde mit großer Brusttiefe und große Hunde sind öfter betroffen
  • Veranlagung – negative Auswirkung bei familiärem Vorkommen der Erkrankung
  • Temperament – lebhafte und ängstliche Hunde erkranken mehr
  • Alter – ältere Hunde haben ein erhöhtes Risiko
  • Gemütszustand – Stress kann sich negativ auswirken

Merke: Bisher konnte allerdings eine eindeutige Ursache der Magendrehung noch nicht ausfindig gemacht werden!

 

Magendrehung erkennen und handeln

Mit einer Magendrehung ist nicht zu spaßen und kann für den Hund sehr schnell lebensbedrohlich werden. Die Symptome einer Magendrehung sollten Sie als Hundebesitzer erkennen und im Notfall sofort den Tierarzt kontaktieren.

 

Symptome einer Magendrehung

Der Magen gast bei einer Magendrehung stark auf, so dass der Bauchumfang direkt hinter den Rippen zunimmt. Starke Unruhe, heftiges Würgen ohne Erbrechen und extremes Hecheln können ein Anzeichen einer Magendrehung sein. Der aufgeblähte Magen kann auch auf die Lunge drücken und damit zur Atemnot führen.

Durch die Abschnürung der Blutgefäße im Bauchraum, kann nicht nur die Schädigung der Magenwand zunehmen, sondern der Kreislauf des Hundes kann zunehmend geschwächt werden. Letztendlich ist der Hund kaum mehr ansprechbar und liegt apathisch rum.

Durch die starke Dehnung kann aber auch die Magenwand reißen und somit der Mageninhalt samt Magensäure in die Bauchhöhle gelangen – was für den Hund eine akute Lebensgefahr darstellt.

Wenn nicht schnell gehandelt wird, führen die Abschnürungen der Blutgefäße unweigerlich zum Herzversagen – schnelles handeln ist oberste Priorität.

Daher zögern Sie nicht im Fall einer Magendrehung. Es ist extrem wichtig sofort zum Tierarzt / zur Tierklinik zu fahren. Denn bei einer Magendrehung ist eine OP unumgänglich – der Magen muss wieder in die richtige Lage. Wenn Sie es irgendwie noch hinbekommen, rufen Sie vorher beim Tierarzt/in der Tierklinik an, damit der OP vorbereitet werden kann – es zählt jede Minute.

 

Eine Magendrehung beim Welpen erkennen

Leider lässt sich eine Magendrehung nicht am Alter eines Hundes festmachen, denn es kommt immer auf die Situation an. Ein Gerücht, dass eine Magendrehung nie bei Welpen auftritt, stimmt leider nicht. So ist es durchaus möglich, dass auch Welpen eine Magendrehung bekommen und sogar daran sterben können.

Kleine Hunderassen und Magendrehung

Wie beim Welpen, kann auch bei kleinen Hunden eine Magendrehung vorkommen. Egal ob Welpe, Senior oder kleine Rasse, die Überlebenschance ist bei einer fortgeschrittenen Magendrehung eher gering.

Leider lässt sich nicht pauschal sagen wie viel Zeit dem Hund noch bleibt. Wenn Sie die Anzeichen/Symptome einer Magendrehung feststellen, zögern Sie nicht zum Tierarzt / zur Tierklinik zu fahren.

Eine entsprechende Nachsorge bei einer erfolgreich behandelten Magendrehung sollten Sie aber auch nicht außer Acht lassen. So können Sie Ihrem Liebling das Risiko einer Magendrehung möglicherweise ersparen.

Beugen Sie vor! Artgerechtes Nassfutter, kleine Portionen sowie eine kleine Ruhephase nach den Mahlzeiten können das Risiko einer Magendrehung minimieren.

 

Hund vor einer Magendrehung schützen

Einige Risikofaktoren wie Rasse, Alter, Genetik oder Temperament lassen sich nicht beeinflussen. Dennoch können Sie das Risiko einer Magendrehung beim Hund mit Fütterungsart und Fütterungstechnik minimieren.

Des Weiteren sollte das Futter nicht zu stark zerkleinert (gewolft) oder zu sehr gekocht und hygienisch einwandfrei sein. Auch der Anteil an Kalzium sollte nicht unnötig hoch sein. Der Kohlehydrat- und Rohascheanteil sollte gering sein, damit das Futter im Magen nicht aufquillt.

 

Ernährung nach einer Magendrehung

Nicht nur der Zustand, sondern auch die Qualität des Hundefutters ist entscheidend. Daher sollte man aus Liebe zu Tier auf Trockenfutter eher verzichten. Bei Trockenfutter (7-14% Feuchtigkeit) ist der Hund gezwungen mehr Wasser aufzunehmen als bei der Fütterung mit Nassfutter (75% Feuchtigkeit). Selbst Hunde mit einem leeren Magen haben schon eine Magendrehung erlitten, weil sie zu viel getrunken hatten.

Auch wenn das Trockenfutter vorher lange eingeweicht wird, verhindert das nicht eine Magendrehung. Vielmehr können sich beim einweichen Bakterien bilden, die dann zu einer vermehrten Gasbildung führen und die Magendrehung begünstigen.

Mehrere Studien haben bereits bewiesen, das gerade Trockenfutter eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Magendrehung hervorruft. Das Trockenfutter quillt im Magen auf, erhöht sein Gewicht/Volumen und dehnt den Magen aus. Dadurch werden die Bänder gedehnt und das Risiko, dass sich der Magen dreht, steigt.

Dazu  kommt noch, dass durch die höhere Wasseraufnahme bei Trockenfutter, dieser Effekt verstärkt wird. Weitere Untersuchungen ergaben, dass Hunde, die regelmäßig Trockenfutter erhalten, einen wesentlich größeren Magen haben als Hunde die Nassfutter, Hausmannskost oder BARF erhalten.

Zudem hemmt Trockenfutter mit hohem Rohascheanteil die Produktion von Magensäure⁴. Das wiederum zur Folge hat, dass die gasbildenden Bakterien nicht mehr so effizient abgetötet werden können. Daher sollte Trockenfutter eigentlich von jedem Speiseplan gestrichen werden.

Aber auch stark zerkleinertes Fleisch (gewolftes Fleisch) hat durchaus negative Auswirkungen. Durch seine breiartige Konsistenz im Magen, kann es schlechter mit Magensäure durchtränkt werden als ein Fleischstück. Zudem ist es wie bei unserer Ernährung: die Bakterienbelastung eines Stücks Fleisch ist um ein vielfaches geringer als bei Hackfleisch.

Für eine optimale Hundemahlzeit sollten Sie im besten Fall auf ein natürliches Nassfutter mit hohem Fleischanteil und ohne Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel, Zucker o. ä. zurückgreifen oder richtig Barfen.

Gute Gründe für artgerechtes Nassfutter / B.A.R.F

  • Die Fütterung von Fleisch senkt das Risiko um 59% (im Vergleich zu Trockenfutter)²
  • Die Fütterung von Nassfutter senkt das Risiko um 28% (im Vergleich zu Trockenfutter)³
  • Die Fütterung verschiedener Futterkomponenten senkt das Risiko deutlich – man sollte also auf keinen Fall dauerhaft nur eine Fleischquelle verwenden, sondern abwechslungsreich füttern

Weitere wichtige Informationen zum Thema Magendrehung und Ernährung sind hier zu finden http://www.hundeausbildung-boeker.de/images/ernaehrung/magendrehungsstudie.pdf

 

Das Leben nach einer Magendrehung

Wer einmal eine Magendrehung bei seinem Hund miterlebt oder eventuell seinen Liebling dadurch verloren hat, sieht diese furchtbare Erkrankung sicherlich mit anderen Augen. Für die meisten Hundebesitzer ist das Leben nach einer Magendrehung definitiv nicht mehr wie vorher.

Daher ist es um so wichtiger, die best möglichen Vorbereitungen zu treffen, um eine Magendrehung zu vermeiden. Natürlich bieten alle Vorkehrungen keinen 100% Schutz vor einer Magendrehung, aber man kann selbst daran arbeiten das Risiko zu minimieren.

 

Fütterung nach einer Magendrehung-OP?

Auch wenn der Hund eine Magendrehung und die dazugehörige OP überlebt hat, ist er nicht gleich wieder vollkommen hergestellt. Der Magen ist zwar wieder in der richtigen Lage aber dennoch brauchen er und das Verdauungssystem einige Zeit um wieder voll funktionsfähig zu sein. Geben Sie Ihrem Liebling Zeit, eine vollständige Wiederherstellung kann mitunter sehr lange dauern.

Damit sich der Organismus des Hundes regenerieren kann, sollte das Tier einen längeren Zeitraum (min. 14 Tage) mit Schonkost gefüttert werden. Hier kann ich ANIfit: Schonkost Huhn und Reis empfehlen, ein speziell entwickeltes Futter für Hunde mit empfindlichem Magen.

 

Fazit

Leider ist wohl kein Hund vor einer Magendrehung geschützt. Es kann Rassehunde, Mischlinge, Welpen, Junghunde, Senioren oder den Faulenzer oder Sportler treffen. Da die genauen Ursachen bislang noch nicht erforscht sind, kann man nur die Faktoren vermeiden, die eine Magendrehung begünstigen.

Machen Sie sich nicht verrückt. Versuchen Sie die Mahlzeiten auf 2-3 Portionen über den Tag aufzuteilen. Füttern Sie nicht direkt nach einem Spaziergang / einer Trainingseinheit, wenn Ihr Hund noch hechelt. Gönnen Sie ihm nach der Mahlzeit eine Ruhephase.

Wenn es dennoch zu einer Magendrehung kommen sollte, ist es hilfreich die Symptome nicht nur zu kennen sondern auch zu erkennen. Nur so können Sie im Ernstfall schnell handeln.

 

² und ³ – Glickman LT, Glickman NW, Schellenberg NW (1997): Multiple risk factors for the gastric dilatation-volvulus syndrome in dogs: a practitioner/owner case-control study. J Am Anim Hosp Assoc.
⁴ – Meyer/Zentek (2005): Ernährung des Hundes, S. 25.